Prof. Dr. Jörg Steinbach
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Sieben Fragen an Minister Steinbach

Clusterwoche 2019 | Vom 2. bis 11. April präsentieren Brandenburgs Wirtschaftscluster in zahlreichen Veranstaltungen in der Region, wie wirtschaftliche Akteure in Brandenburg erfolgreich zusammenarbeiten. Das Themensprektrum reicht von Intelligenter IndustrieBiobasierte Wirtschaft bishin zu "Smart Country", der digitalen Vernetzung ländlicher Räume.

Welche Bedeutung haben die Cluster für Brandenburg?

Brandenburg konzentriert sich in der Wirtschaftspolitik auf neun wachstumsstarke Cluster, fünf davon sind länderübergreifend mit Berlin aufgebaut. Mit der Fokussierung auf diese Cluster setzt Brandenburg konsequent die Strategie des „Stärken stärken“ fort, in der Wirtschaftspolitik auf die dynamischsten Branchen zu setzen. Dazu zählen beispielsweise Metall, Kunststoffe oder Energietechnik. Dieser Prozess wurde 2005 eingeleitet und die Erfolge sind beeindruckend. Die wirtschaftliche Entwicklung dieser Cluster verläuft überaus positiv – sie sind die Motoren des Wachstums im Land. Deshalb werden wir diesen Kurs konsequent fortsetzen, der sich auch in der gemeinsamen Innovationsstrategie mit Berlin widerspiegelt.

Gibt es Besonderheiten der Brandenburgs Cluster – auch im Vergleich zu Clustern in anderen Regionen?

In der Tat: die gibt es. Da ist zum einen die länderübergreifende Zusammenarbeit mit Berlin. Nirgendwo sonst in Deutschland arbeiten zwei Länder so eng zusammen. Davon profitieren alle Akteure. Denn – und das ist die zweite Besonderheit – nirgendwo erfolgt die Zusammenarbeit derart clusterübergreifend. Beispiel Digitalisierung oder Automatisierung – das sind Themen von nahezu gleich großer Bedeutung in allen Clustern. Also geht man die Antworten auf diese Fragen auch gemeinsam an und profitiert somit voneinander. Das sorgt für eine hohe Dynamik und stärkt so die Innovationskraft der Unternehmen und der gesamten Region.

Ganz bewusst haben wir die Clustermanagements deshalb auch in der Wirtschaftsfördergesellschaft des Landes, der WFBB, angesiedelt. Denn daraus ergeben sich Synergien auch für andere Themen der Wirtschaftsförderung.

Im vergangenen Jahr lag das Wirtschaftswachstum Brandenburgs über dem Bundesdurchschnitt. Welche Rolle spielt hier die Netzwerkarbeit in den Clustern?

In den Clustern geht es darum, verschiedene Akteure zusammenzubringen, um Wachstum und Beschäftigung in diesen Branchen zu stärken und den Weg für Kooperationen zu ebnen. Der Großteil aller Investitionen und Innovationen erfolgt in den Clustern. Sie sorgen damit für die hohe Wertschöpfung in Brandenburg und bieten einen großen Mehrwert für alle Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Land.

Dr. Jens Unruh

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Welche Ziele verfolgt die Innovationsstrategie 2025?

Auf den Punkt gebracht lautet das zentrale Ziel: die internationale Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit der Hauptstadtregion nachhaltig zu fördern. Denn die sich schnell veränderte Welt stellt unsere Unternehmen heute vor Herausforderungen und eröffnet zugleich eine Vielzahl neuer Möglichkeiten. Mit der vorliegenden Innovationsstrategie innoBB 2025 leiten die Länder Berlin und Brandenburg eine neue Stufe der gemeinsamen Innovationspolitik ein. Innovative Unternehmen können das Beste aus diesen Veränderungen machen, denn Innovationskultur ist ein großer Wettbewerbsvorteil. Insbesondere den Technologiefeldern wie etwa der Künstlichen Intelligenz kommt eine wachsende wirtschaftliche Bedeutung zu.

In diesem Zusammenhang wird der Fokus der Strategie auf folgende vier Schwerpunkte gelegt: Digitalisierung, Reallabore und Testfelder, Arbeit 4.0 und Fachkräfte sowie Startups und Gründungen. Mit der innoBB2025 schaffen wir beste Voraussetzungen, diese Themen verstärkt anzugehen und damit die Zukunftsfestigkeit des Standortes zu erhöhen.

Wie können Startups von der Clusterarbeit profitieren?

Unser Ziel ist es, die Anzahl hochkarätiger innovationsorientierter Gründungen zu erhöhen und die daraus entstehenden Unternehmen in ihrer Entwicklung zu stärken. Neben den Startups mit hoher Technologieaffinität gewinnen Gründungen, die ihr Geschäft auf nichttechnischen Innovationen aufbauen, zunehmend an Bedeutung. Gezielte Unterstützungen haben auch zum Ziel, erfolgreich wachsende Startups dauerhaft an die Region Berlin-Brandenburg zu binden und in die Clusterarbeit einzubeziehen. Gerade für die Vernetzungen zwischen Startups, kleinen und mittleren Unternehmen und der Industrie - auch international - bieten die Cluster eine ideale Plattform und tragen damit zentral dazu bei, das regionale Innovationssystem dynamisch weiterzuentwickeln

Wenn es um Startups in Deutschland geht, richtet sich der Blick oft nach Berlin. Was spricht für Brandenburg als alternativer Gründungsstandort?

Existenzgründungen spielen für die Entwicklung des Landes Brandenburg eine wichtige Rolle. Deshalb unterstützt die Landesregierung Existenzgründungen mit passgenauen Förderprogrammen und umfassenden Beratungsangeboten. Brandenburg bietet maßgeschneiderte Gewerbeflächen – Büros, fertige Hallen oder Freiflächen. Das Portfolio umfasst rund 2.000 Standorte, die über moderne Verkehrswege hervorragend angebunden sind - in allen Lagen und zu günstigen Preisen. Auch das Thema Coworking spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Hinzu kommt ein hohes Qualifikationsniveau der Erwerbsbevölkerung. Darüber hinaus profitieren die Unternehmen neben niedrigen Steuersätzen auch von der Innovationskraft der Brandenburger Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen.

Welche Gründungsprojekte konnten in Brandenburg bereits erfolgreich umgesetzt werden?

Das sind so viele, dass es den Rahmen sprengt, wenn ich sie alle aufzählen würde. Nur so viel: Erfolgreiche Gründungsprojekte gibt es quer durch alle Regionen in ganz Brandenburg. Konkret möchte ich auf fünf Gründungsprojekte eingehen, die sich in diesem Jahr auch beim Potsdamer Tag der Wissenschaften präsentieren werden.

Dies sind zum einem „Impargo“, eine Premium-Logistiksoftware für Transport- und Industrieunternehmen sowie „Stenon“, die ein sensorbasiertes Gerät inklusive Software entwickelt haben, das für Nutzbodenanalysen alle notwendigen Daten für den Anbau in Echtzeit verfügbar macht und somit dem Landwirt hohe Laborkosten erspart. Darüber hinaus wird „Digitize Rocks“ vorgestellt, die eine praktikable Software-Lösung für die Digitalisierung von analogen Felddaten entwickelt haben.

Mit „MeineReha“  und „Breazy-health“ haben wir dann noch zwei innovative Gründungsprojekte in der Gesundheitswirtschaft. „MeineReha“ entwickelte ein Teleassistenzsystem mittels eines 3D-Sensors und speziellen Algorithmen zur Therapiesteuerung, um die Therapie im häuslichen Umfeld flexibel und automatisch durchzuführen. Bei „Breazy-health“ handelt es sich um ein Healthcare-as-a-Service (HaaS) zur Alltagsunterstützung von Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma bronchiale oder COPD. Diese Projekte verbindet, dass sie alle ganz konkreten Nutzen bieten. Und das bringt den Erfolg.