Die Zukunft der Mobilität

Datum 17. October 2017

Innovationskonferenz Design an der FH Potsdam

Header Designkonferenz 2017

Foto: © WFBB | David Marschalsky

Die Innovationskonferenz Design am 10. Oktober an der FH Potsdam bildete den Höhepunkt der diesjährigen Designtage Brandenburg und stand unter dem Motto "Automotive und Mobility – Zukunftsmobilität innovativ und nachhaltig gestalten". Hier wurde intensiv über die Anforderungen an die Zukunftsmobilität und die Rolle von Design diskutiert.

Immer mehr Großstädte stöhnen unter dem zunehmenden Autoverkehr. Zahlreiche Ingenieure, Entwickler und Designer suchen nach Lösungen für die (auto-) mobile Zukunft.

Ulrike Müller, Chefdesignerin bei der in Potsdam beheimateten Volkswagen Group Future Center Europe, berichtete über die Entwicklungsarbeiten für das VW-Konzept Sedric (self-driving car), mit dem der Konzern in den nächsten Jahren die ersten autonom fahrenden Autos im innerstädtischen Verkehr an den Start bringen will. Das vollautomatisierte Auto – so verspricht es VW  – soll den Menschen künftig mehr Freiraum verschaffen, da sich der Fahrer nicht mehr auf den Verkehr konzentrieren müsse.

Neben dem Standort Potsdam unterhält der VW-Konzern zwei weitere Future Center in San Francisco und Peking. Einer der Forschungsschwerpunkte in Potsdam ist Müller zufolge der Dialog zwischen dem Nutzer des künftig selbstfahrenden Fahrzeuges  und einer künstlichen Intelligenz, die alle Steuerungsfunktionen ausführt.

Stimmenerkennung größte Herausforderung seit dem Smartphone

Da der Sprache dabei eine wichtige Rolle zukomme, werde auch an einem „Kommunikationsdesign“ gearbeitet. "Die Stimmenerkennung ist die größte Herausforderung, die es seit dem Smartphone gibt", sagt Müller, die gleichzeitig dafür plädiert, der künstlichen Intelligenz im Umgang mit persönlichen Daten zu vertrauen.

Ein ganz entscheidender Punkt dabei sei, dieser künstlichen Intelligenz einen eigenen Charakter zu verleihen. „Wir gestalten nicht nur eine Maschine, sondern eine Beziehung“, betont Müller. In diesem Wechselverhältnis spielten auch Begriffe wie Empathie und Emotionen eine wichtige Rolle. Wer  das übersehe, gehe an den Bedürfnissen der Menschen vorbei. 

Ganz anders lautet dagegen die Philosophie des Mobilitäts- und Zukunftsforschers Stephan Rammler, Professor für Transportation Design & Social Sciences an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. "Wir stehen am Anfang vom Ende der heutigen Mobilität", lautet seine zentrale These. Rammler sieht zwar auch wie Müller das Ende des heutigen Verbrennungsmotors nahen. Deutlich plädiert er aber für eine Ablösung des Privatbesitzes von Autos durch mehr Carsharing und ein Umdenken in der städtischen Raumplanung, die heute noch eher Parkplätze für Autos in den Vordergrund stelle, statt breite, kreuzungsfreie Radwege anzulegen.

In der Verzahnung von Fahrrad, Elektroautos und einem gegenüber dem heutigen Standard deutlich verbesserten öffentlichem Nahverkehr sowie einer intelligenten digitalen Steuerung von Fahrzeugflotten in den Innenstädten sieht Rammler das Model der Zukunft. "Wir können nicht einfach 46 Millionen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor durch Elektroautos ersetzen, das funktioniert nicht", sagt er mit Blick auf die Zulassungszahl von Kraftfahrzeugen in Deutschland, die womöglich schon bald die 50 Millionen Grenze überschreiten werde.

Einer Modellrechnung zufolge könne z.B. Lissabon bei einer intelligenten Umstellung des öffentlichen Personenverkehrs auf 90 Prozent seiner Fahrzeugflotte verzichten, so Rammler. Auch der Autoindustrie böten sich neue Wertschöpfungsmöglichkeiten bei einer Umstellung auf künftige Mobilitätsdienstleistungen.

Zulieferverband sieht noch lange kein Ende des Verbrennungsmotors

Der Vorstandsvorsitzende des Verbands der Automobilzulieferer Berlin-Brandenburg, Harald Bleimeister, sieht dagegen noch lange kein Ende des Verbrennungsmotors. „Ich kann mir eine praxisnahe Nutzung der Fortbewegung ausschließlich durch Elektromobilität flächendeckend nicht vorstellen.“

Beim Thema Carsharing in urbanen Räumen sei das in den nächsten Jahrzehnten eher denkbar, sagt Bleimeister, dessen Verband rund 250 überwiegend mittelständische Unternehmen mit etwa 20 000 Beschäftigten vertritt. „Da wird man mit der Elektromobilität anfangen können mit Taxisystemen oder Bussen.“ Beim Individualverkehr werde es aber noch lange Zeit eine „Parallelwelt“ von Verbrennungsmotoren und Elektroantrieb geben.

Auf dem Podium standen Experten wie Prof. Ulrich Weinberg (Leiter vom Design Thinking am HPI), Florian Nöll (Vorstand Bundesverband Deutsche Startups e. V.) Dr. Jens Katzek (Automotive Cluster Ostdeutschland), Ulrike Müller (Volkswagen Group Future Center Europe GmbH) und Prof. Dr. Stephan Rammler (HBK Braunschweig) Rede und Antwort.

Daneben fanden spannende Workshops und Panels zu den Themen Combined Transport Solutions, Green Mobility Design, Big Data, Mobility goes Additive sowie Autonomes Fahren statt. Der interaktive Austausch nach der Konferenz und im Rahmen des get together waren für die Besucher die perfekte Gelegenheit, das persönliche Netzwerk zu erweitern.

Veranstalter
Die Innovationskonferenz Design 2017 wurde vom Cluster IKT, Medien und Kreativwirtschaft in Kooperation mit dem Cluster Verkehr, Mobilität und Logistik und der Wirtschaftsförderung Brandenburg (WFBB) ausgerichtet.

Quelle: Manfred Rey